Historisches von Sendelbach

Hirten wesen in Sendelbach!

Am 26. Apr. 1987 mündlich  überliefert von Frau Margarete Falk, Witwe des  1981 verstorbenen Hirten Leonhard Falk und deren Sohn Helmut

Vorweg kann bereits erwähnt  werden, dass es sich bei der Hirten- und  Hütetradion  in Sendelbach um eine Äußerst lebendige, dennoch aber  tiefverwurzelte gehandelt hat.

So übernahm  L. Falk schon im Jahre 1932 von seinem Stiefvater Neidiger das Hirtenamt in Sendelbach. Die  Herde von etwa 80 bis 100 Stück  Vieh erforderte den ganzen Einsatz. Oft  wurde auch die Frau als Hütehilfe mit herangezogen. Hütbuben  wurde,  soweit sie nicht aus der unmittelbaren Umgebung oder aus dem Dorf selbst stammten. freie Kost und Logie geboten. Erst ab 1955 mochte keiner mehr Höitbou werden. Der Sohn des Hirten war der letzte im Ort.

Nach der Winterzeit, welche der Hirt dazu nutzte um Schellenbögen   aufzufrischen, Schellen mit Sand blank zu fegen, einzuölen  oder  Kleinreparaturen auszuführen, wurden die Vorbereitungen für  den ersten  Austrieb getroffen.

Interessanterweise wurden neue Schellenbögen  nicht hergestellt. Der Hirt malte die alten Motive nur von Zeit zu Zeit  nach. Die jeweiligen Motive hatten offenbar keine tiefere Bedeutung mehr oder ihr Sinn war verlorengegangen. Aufgebrauchte Schellenbögen wurden  in neuerer Zeit durch Lederriemen und Glocken ersetzt. Schelle und  Schellenbogen waren Besitz des Sendelbacher Hirten. Vor dem ersten  Frühjahrsaustrieb  ging der Hirt noch von Stall zu Stall um die im Winter nachgewachsenen spitzen Hörner  der Rinder abzufegen (verkürzen  und  abstumpfen), um Verletzungen auf der Weide zu vermeiden. Dafür  erhielt  er als Lohn 2 Eier, manchmal auch Fleisch oder Mehl.
Als Zeichen zum  Austrieb blies der Hirt auf dem Rundhorn den ortseigenen Hirtenruf. Bis  gegen 1950 wurden dabei von 7 bis 11 Uhr und von 15 bis 20 Uhr feste  Zeiten eingehalten. Allerdings wurde zur Hochsommerzeit auch schon bei  heißen  Tagen um 3.30 Uhr ausgetrieben, um den verhältnismäßig kühlen  Morgen zu nutzen. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass es sich  ausschließlich um eine reine Rinderherde, ohne Schafe und Ziegen,  handelte, welche der Hirt auf die umliegenden Anger trieb. Nach Aussage  von Frau Falk hatte Sendelbach aber in früheren  Zeiten einen extra  angestellten Gänsehirten, welcher mit seiner Herde eigene Weldegründe   aufsuchte.

Sendelbach war in der glücklichen  Lage, mit den umliegenden sechs Hutangern genügend  Weidegrund zu besitzen.
Die Rinder der Krönhofer  Bauern wurden nicht betreut, sondern von ihren  Besitzern auf eigene Wiesen-Weiden getrieben. Die ortsüblichen  Namen der Anger und ihre ungefähre Lage:

Anger1. Krönhofer Anger bei Krönhof

Anger2. Säuanger Richtung Engelthal

Anger3. Birge Richtung Henfenfeld

Anger4. Veller zw. Engelthal und Henfenfeld

Anger5. Eile Richtung Engelthal zw. Sendelbach und Peuerling

Anger 6. Schafkoppe Fortsetzung vom Eile zw. Peuerling und Krönhof

Den teilweise mächtigen  Baumbestand der Hutanger bilden überwiegend  Eichen. Nach Aussage von Frau Falk waren sie schon damals alte Blumer. Ihres  Wissens wurde nicht gepflanzt oder nachgepflanzt. Der Vorteil, mehrere  Hutanger zu haben bestand darin, daß  die Weide tauglich gewechselt werden konnte. Das Futterangebot wurde dadurch besser ausgenutzt und die  Auszehrung der Anger wurde vermieden. Allerdings spielte auch die  tägliche  Witterung eine Rolle. Bei aufkommenden Schlechtwetterfronten  zog der Hirt mit der Herde in die ortsnahen Anger.
Unentbehrliche  Helfer des Hirten waren die von L. Falk jeweils selbst ausgebildeten  Hirtenhunde. Die Betonung der Mehrzahl ist vor allem deshalb begründet,  weil laut Überlieferung einige von ihnen von auskellenden Rindern  erschlagen wurden, wenn sie allzu diensteifrig zu nahe kamen.

Der Lebensunterhalt des Hirten und seiner Familie bestand aus dem Festlohn  von 2 Schütt  Stroh und 1 Metzen Getreide pro Kuh. Dazu kamen jährlich   insgesamt 5 Ster Holz. Der Hirte war also auf etwas Zubrot angewiesen. Dies verschaffte er sich durch das Halten von 2 bis 3 Kühen. 4 bis 5  Schweinen und weiteren Kleintieren. Die Grundlage dafür  waren 6 bis 7  Tagwerk Ackerland, der Hirtenacker, welcher von der Rechtlergemeinde zur Verfügung  gestellt wurde. Das Gras für  die Kühe wurde an Rainen und  Straßenrändern  geholt. Konnte die herannahende Hochbrunft einer Kuh  rechtzeitig erkannt und dem Bauern mitgeteilt werden, gab es als  Sonderzahlung 50 Pfennige.
Leonhard Falk war auch der eigene Tierarzt seiner Herde. Ob es dabei um komplizierte Geburten ging oder wenn sich  eine Kuh nicht schöi machte (Abstoßen  der Nachgeburt), wußte  er Rat  und Tat. Auch das schwierige Anstechen beherrschte er.

Wurden  im Herbst die Tage kürzer, durften auch die Wiesen um das Dorf und im  Talgrund beweidet werden. Eine Beweidung der Halm-Felder wie anderen  Ortes (Dehngras-Weide) fand In Sendelbach nicht statt.
Künstlerische   Erfüllung während des Hirtenjahres waren die von L. Falk selbst  hergestellten Hirtenstecken aus Weißdorn  (in Kalk gebeizt, im Backofen  wärme behandelt, danach lackiert) sowie spezielle Hocker für den  Hirten.Um die Weihnachtszeit bekam die Familie des Hirten von den Bauern die obligaten Spießwecken  oder Brotlaibe geschenkt. Auch der Brauch des .Pfeffern’s wurde durch den Hirten und seine Familie ausgeübt, um  sich zusätzlich Nahrungsmittel zu verschaffen.

Die moderne Landwirtschaft setzte sich immer mehr durch.
Die Anger wurden vom Schäfer  aus Engelthal beweldet und dann von den  Rindern nicht mehr gerne angenommen. Der Sonntagsaustrieb mußte   eingestellt werden, weil grünhungerige Stadtmenschen mit Autos die  Anger belagerten. Einige Straßenunfälle  zwischen Rindern und Pkws  sind  bekannt.

Der Dorfthirte L. Falk verdiente sein Geld als  Dreschhilfe, Wiegehaus- und Milchhausaufseher. Vorausschauend, dies  wurde von Frau Falk besonders erwähnt, war die Gemeinde. Sie hatte für   ihren Hirten Marken  gepicht (Sozialversicherung gezahlt), um ihm einen sorgenfreien Lebensabend zu sichern.

Nach über  30jähriger   Amtszeit als Hirte war L. Falk noch ein paarmal im Festzug der Fürther  Kirchweih zu sehen. In Hirtentracht, mit Hund und Langhorn vertrat er  dort eine bereits erloschene Kulturepoche der Hersbrucker Alb.